Eines Tages... „werde ich wieder gehen können.”


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Baptiste Gossein gehörte zehn Jahre lang zur Windsurf-Weltelite. Früh machte der gebürtige Franzose sein Hobby zum Beruf, lebte seinen ganz persönlichen Surfertraum auf Tahiti, immer auf der Suche nach den größten Wellen.
2009 änderte sich das Leben des damals 30-jährigen dramatisch.
Als er unglücklich von seinem Surfboard stürzt, verletzt er sich das Rückenmark im unteren Rückenbereich und sitzt von da an im Rollstuhl. Der ehemalige Profisurfer gehört damit zu den 9 Prozent aller Betroffenen, die sich ihre Querschnittslähmung beim Sport zugezogen haben.

Letzte Woche besuchte uns Baptiste in Salzburg und stellte sich einem Frage-Antwort-Schlagabtausch.
Hier unsere Stichworte und seine ersten Gedanken dazu.

Strand. Ich würde sagen mein Leben.
Der erste Gedanke nach meinem Unfall. Ich kann vielleicht nie mehr ins Wasser gehen.
Veränderung. Ich habe meine Beine gegen einen Rollstuhl getauscht.
Meine Beine. Natürlich möchte ich wieder auf ihnen stehen. Aber ich empfinde keinen Zorn oder etwas Negatives für sie.
Tahiti. Ist die Liebe meines Lebens.
Barrieren. Gibt es für mich nicht!
Ich lache... viel mit meinen Freunden.
Mein letztes Highlight. Der Wings for Life World Run. Ich ging in Frankreich an den Start und es war großartig.
Rückenmarksverletzung. Etwas, worüber Menschen sehr wenig wissen. So wie ich früher...
Welle. Teahupoo. Liebe.
Angst. Ich habe Angst davor, mir nahe stehende Menschen zu verlieren.
Passion. Das Meer.
Macht mich stark. Wenn ich im Krankenhaus bin und mich umschaue, wird mir bewusst, dass ich mich nicht beschweren darf. Dort sind Menschen, denen es zehn Mal schlechter geht als mir. Mein Unfall passierte bei etwas, das ich liebe – diese Einstellung stärkt mich.
Ich bereue. Manchmal denke ich, ich habe die Zeit vor meinem Unfall zu wenig genutzt...
Motivation. Die Hoffnung, wieder auf die Beine zu kommen.
Adrenalin. Ich auf meinem Jet Ski und dazu große Wellen ;-) 
Freiheit. So lange man keine ernsthafte Krankheit hat, ist man frei.
Wings for Life. Mich begeistert, dass Menschen dafür kämpfen, eine Heilung für Querschnittslähmung zu finden. 
Mein nächstes Abenteuer. Ich kehre jetzt nach Teahupoo, Tahiti zurück. Die Saison der großen Wellen startet gerade. Man weiß nie was passiert und das ist cool.
Mein Vorbild. Ich mag positive Menschen im Allgemeinen.
Vergangenheit. Ich bin sehr dankbar, über mein Leben vor dem Unfall. Ich habe Dinge erlebt, die ich nie vergessen werde.
Gegenwart. Ist nicht immer einfach, aber ich lerne jeden Tag. 
Zukunft. Hoffentlich positiv. Ich bin optimistisch.
Eines Tages... werde ich wieder gehen können. 

2015: Baptiste in Tahiti
2015: Baptiste in Tahiti 

Nach unserem Interview kehrte Baptiste zurück in seine Wahlheimat Tahiti. Dort betreibt er ein Surfcamp, in dem Gäste auch übernachten, essen und mit ihm die Liebe für Wellen teilen können.