Paulus Ploier
Paulus Ploier  © David Robinson

„Ein heftiger Blitz fuhr durch meinen Körper“


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Nur selten begegnet man Menschen, die so viel Lebensfreude ausstrahlen wie Paulus Ploier. Seit fast 30 Jahren lebt der Künstler- und Lebenssozialberater aus Oberösterreich mit einer hohen Querschnittslähmung (C4-5). In einem Interview erzählt er uns von seiner bewegenden Geschichte.

Paulus, wie und wann ist es zu deiner Rückenmarksverletzung gekommen?
Passiert ist es am 10.07.1984, einem sehr heißen Sommertag. Ich war am Mondsee in Oberösterreich und wollte mich nur kurz abkühlen. Also lief ich auf den Steg, um mit einem lässigen Köpfler ins Wasser zu springen. Wie und warum ich das getan habe, weiß ich nicht. Schließlich war ich ausgebildeter Wasserretter und wusste zudem, dass es dort sehr flach ist. Während ich lief, hörte ich sogar noch einen Burschen rufen, "pass auf, da ist es seicht".

Was war dein erster Gedanke?
Ein heftiger Blitz fuhr durch meinen ganzen Körper. Ich wusste sofort, dass ich gelähmt bin. Dann habe ich mit aller Energie versucht, an die Wasseroberfläche zu kommen. Ein Mann hat mich schließlich rausgezogen.

Wie hat sich dein Leben seither verändert?
Der Unfall hat mich brutal aus meinem bisherigen Leben herausgerissen. Jahrelang hatte ich mit chronischen Schmerzen zu kämpfen. Es hat sich angefühlt, als ob der Körper in Flammen steht. Es war so schlimm, dass ich fast wahnsinnig geworden bin. 5 Jahre lang habe ich Valium genommen.
Meine Rettungsanker waren die Malerei, Ruhe und meine Frau. Ich kannte Monika schon vorher und per Zufall sind wir uns 1990 in Jugoslawien wieder über den Weg gelaufen. Drei Tage später hatte es zwischen uns gefunkt.

Was sind deine größten Barrieren im Alltag?
Aufgrund meiner hohen Querschnittslähmung brauche ich immer jemanden, der mir beim Toilettengang hilft. Da könnte ich wirklich ausflippen.

Haben sich auch positive Aspekte aufgetan?
Sehr viele sogar. Durch den Unfall habe ich meine Geschichte entdeckt und eine Liebe, dich in dieser Dimension bestimmt nicht so erfahren hätte. Ich habe einen Beruf, den ich mir immer erträumt habe. Der heftige Schmerz führte mich zur Psychotherapie mit der wirksamen und lösungsorientierten Methode „Focusing“. Heute betreue ich als psychologischer Berater andere Menschen in Krisensituationen.
Zudem male ich leidenschaftlich gerne und mache Musik. Ich würde mir nichts zurückwünschen, aber ich möchte vorwärts.

Was ist dein größter Wunsch?
Ich träume davon, mich zu erheben, einfach aufzustehen. Ich kann mir das total gut vorstellen.

Was gefällt dir an Wings for Life?
Definitiv das Gefühl der Menschen, die dort arbeiten. Immer wenn ich mit Euch zusammenkomme, spüre ich etwas sehr Familiäres. Diese Hingabe begeistert mich.

Mehr über Paulus erfahren Sie auf www.paulus-art.at

Auch Sie sind nach einer Verletzung des Rückenmarks querschnittsgelähmt und möchten Ihre Geschichte teilen? Schreiben Sie uns doch einfach kurz und formlos an office@wingsforlife.com. Wir würden uns sehr freuen.