Patrick Freund @ Wings for Life Scientific Meeting
Patrick Freund @ Wings for Life Scientific Meeting  

Der Verlauf von Rückenmarksverletzungen


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Jede Rückenmarksverletzung ist anders und auch die Auswirkungen für Patienten sind unterschiedlich. Nach einer Verletzung stellen sich einige Funktionen auf ganz natürliche Weise wieder her. Das Ausmaß dieser Erholung ist schwer vorherzusagen. Eine Belastung für Patienten und auch eine Herausforderung für das Design von klinischen Studien.

Voraussage durch Magnetresonanztomographie
In klinischen Studien wird getestet, ob eine bestimmte Therapie zu funktionellen Verbesserungen führen kann. Wenn man aber nicht vorab bestimmen kann, wie sich der natürliche Verlauf der Erholung bei Patienten entwickelt, wie soll man dann den Effekt der Therapie vorhersagen?
Um diese Vorhersage zu verbessern, haben Wissenschaftler um Dr. Patrick Freund vom Spinal Cord Injury Center der Universität Zürich und des Universitätsspitals Balgrist eine Studie durchgeführt: mit Hilfe eines speziellen Bildgebungsverfahrens (MRT) fanden sie heraus, dass der Gewebeabbau innerhalb der ersten sechs Monate nach der Verletzung die funktionelle Erholung nach zwei Jahren vorhersagen kann. Für diese Vorhersage wurden der Gewebsverlust allgemein, der Myelinverlust (die Isolationshülle der Nervenfasern) und die Eisenansammlung (Anzeichen von oxidativem Stress und chronischer Entzündung) analysiert.

Beeindruckend: Je geringer der Abbau des Gewebes nach sechs Monaten, desto besser die funktionelle Erholung nach zwei Jahren. Ein stärkerer Gewebeverlust bedeutet somit eine schlechtere funktionelle Erholung.

Wie geht es weiter?
Dieses Werkzeug hilft, klinische Studien effizienter und kostengünstiger durchzuführen. In Zukunft können Rehabilitation und Behandlungen so bestimmt werden, dass die funktionelle Erholung nach einer Rückenmarksverletzung gesteigert wird.

Diese klinische Studie wurde von Wings for Life unterstützt und in der Zeitschrift Neurology veröffentlicht.

Quelle: “Progressive neurodegeneration following spinal cord injury: Implications for clinical trials”. Ziegler G, Grabher P, Thompson A, Altmann D, Hupp M, Ashburner J, Friston K, Weiskopf N, Curt A, Freund P. Neurology, March 2018.