Krabbencocktail als Therapie?


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Die Reparatur einer traumatischen Rückenmarksverletzung verursacht große Schwierigkeiten, weil sich das Nervengewebe nicht einfach neu bilden kann. In der Folge entsteht ein Hohlraum, umgeben von einer glialen Narbe. Diese blockiert die Regeneration.

Neu gebildete Brücke
Das Pariser Forschungsteam rund um Dr. Fathia Nothias implantierte nun ein Biomaterial, um die entstandene Lücke im Rückenmarksgewebe zu überbrücken. Der Hauptbestandteil davon ist das Molekül Chitosan, das in der Hartschale von Krustentieren, wie z.B. Hummer oder Krabben vorkommt.
Das Experiment verlief spannend: das Chitosangerüst half bei Gabe kurz nach der Verletzung das Rückenmarksgewebe und das Gefäßsystem wiederherzustellen. Gleichzeitig reduzierte es die Narbenbildung. Und mehr noch: diese neugebildete Brücke regte das Wachstum zahlreicher verletzter Axone an, sogar bis jenseits der Verletzung, die neu regenerierten Nervenfasern waren funktionell und myelinisiert. Interessanterweise konnte damit auch die Entzündung beeinflusst werden, was zur Gewebereparatur beitrug. Am beeindruckendsten war aber, dass diese Wiederherstellung der Struktur nach einer Rückenmarksverletzung hilft, eine lang anhaltende Bewegungsfunktion wiederzugewinnen.

Noch mehr gute Nachrichten
Als natürliches Molekül ist Chitosan frei von Nebenwirkungen. Es ist effektiv biologisch abbaubar und nicht toxisch für das umgebende Gewebe. Studien konnten zeigen, dass es zu keiner Tumorbildung führt, Schmerzen reduziert und Blutungen vorbeugen kann. Außerdem hemmt es das Wachstum von Bakterien und es ist antioxidativ wirksam. 
In einer leicht herstellbaren speziellen Aufbereitung mit Wasser wird es durch eine einfache Spritze in die Verletzungsstelle injiziert und ist zur Kombination mit anderen Vorgehensweisen geeignet.


Wie geht es weiter?
Das Chitosangerüst bringt die Reparatur des Gewebes effektiv in Gang und stellt einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung von Rückenmarksverletzungen dar. Diese frühen Ergebnisse müssen nun wiederholt und bestätigt werden, sie könnten aber den Weg für eine neue Strategie zur funktionellen Regeneration für Qurschnittspatienten bereiten.

Diese Arbeit wurde unter anderem von Wings for Life gefördert. Hier finden Sie die vollständige Projektbeschreibung. 


Quelle:
“Physical chitosan microhydrogels as scaffolds for spinal cord injury restoration and axon regeneration”. Chedly J, Soares S, Montembault A, von Boxberg Y, Veron-Ravaille M, Mouffle C, Benassy MN, Taxi J, David L, Nothias F. Biomaterials, September, 2017.