BLOG: Gefährlicher Vitamin D Mangel


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Querschnittverletzte leiden oft unter einem Vitamin D Mangel. Warum sich das negativ auswirkt, erklärt der Biologe Vieri Failli.

Querschnittsverletzte Menschen leiden oft unter Vitamin D Mangel. Die Ursachen sind unterschiedlich. Häufig spielen aber reduzierte Sonnenbestrahlung, Aufnahme durch die Nahrung, Medikamente und hormonelle Störungen eine Rolle. Die Wirkung von Vitamin D auf Knochen, Muskeln und Stoffwechsel sind in der Medizin bekannt, wie sich aber ein Mangel bei querschnittsgelähmten Menschen auswirkt, ist noch unklar.

Was ist Vitamin D?
Vitamin D tritt unter verschiedenen Formen, den sogenannten Vitameren auf. Es gibt fünf D Vitamine, Vitamin D1 bis Vitamin D5. Die wichtigsten sind Vitamin D3 (bekannt unter Cholecalciferol) und Vitamin D2 (Ergocalciferol). Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das nur in wenigen Nahrungsmittel wie beispielsweise fettreichem Fisch oder Eigelb enthalten ist. Der Großteil von Vitamin D3 stammt aus der körpereigenen Produktion in der Haut. Sie synthetisiert unter Sonneneinstrahlung aus Cholesterol Vitamin D und wandelt es in aktives Vitamin (Calcitriol) um.

Wie wirkt sich Vitamin D Mangel aus?
Allgemein
Vitaminmangel oder Hypovitaminose D ist meist durch eine zu geringe Sonnenlichtexposition des Körpers verursacht. Eine der wichtigsten Funktionen von Vitamin D ist die Aufrechterhaltung des Calcium Gleichgewichts in den Knochen. Bei einem Mangel kommt es zu einer verschlechterten Mineralisierung des Knochens (Osteoporose) und führt zu einer erhöhten Bruchgefahr. Auch Muskelschwäche ist ein häufiges Symptom eines Vitamin D Mangels und kann zu vermehrten Stürzen und Knochenbrüchen führen. Weitere Anzeichen für einen Mangel an Vitamin D können Depression, Benommenheit und Zahnfleischschwund sein.

Bei Querschnittspatienten
Bei akuten und chronischen Rückenmarksverletzungen zeigen zahlreiche Studien einen Vitamin D Mangel; 32 – 93% der Querschnittgelähmten leiden darunter. Die Hauptursachen dafür sind wohl Immobilität, geringe körperliche Aktivität, Bettlägerigkeit und in der Folge wenig Zeit, in der man sich in der Sonne aufhält. Auch die Höhe der Querschnittslähmung spielt, neben den allgemeinen Faktoren wie Alter und Jahreszeit, ein Rolle.
Der Mangel an Vitamin D verstärkt bei rückenmarksverletzten Patienten nicht nur das aufgrund der Immobilität vorhandene Problem der Knochenveränderungen, sondern zeigt auch einen Zusammenhang mit der körperlichen Funktionsfähigkeit.

Eine Studie aus Italien bei chronisch verletzten Querschnittpatienten ergab einen Zusammenhang von Vitamin D Mangel und einer Verschlechterung der körperlichen Funktionen nach einem Jahr. Die Studie basiert auf der Untersuchung von 67 chronisch rückenmarksverletzten Patienten (44 Männer und 23 Frauen), bei denen im Rahmen eines Rehabilitationsprogramms der Vitamin D Spiegel und körperliche Funktionen untersucht wurden.
Bei der Auswertung der Tests wurden die körperlichen Funktionen bei Aktivitäten des täglichen Lebens (SCIMIII) oder auch der Freizeit (LTPA) erfasst. Dabei zeigte sich, dass die Prognosen bei einem niedrigen Blutspiegel von Vitamin D schlechter waren. Das heißt, der Vitamin D Spiegel im Blut sollte immer überprüft und ein Mangel behandelt werden.  

Vitamin D und funktionelle Erholung
Aus Studien ist bekannt, dass Vitamin D die Aktivität von verschiedenen Immunzellen beeinflusst und somit eine ausgeprägt modulierende Wirkung auf das Immunsystem hat. Außerdem findet man sowohl auf Nervenzellen als auch auf Gliazellen Rezeptoren für Vitamin D, in beiden Zelltypen scheint Vitamin D den Calciumspiegel in der Zelle zu kontrollieren.

Aufgrund dieser Beobachtungen untersuchten mehrere Forschungsgruppen die Wirkung von Vitamin D bei experimentellen Rückenmarksverletzungen auf die funktionelle Erholung. Unabhängig voneinander fanden sie heraus, dass unter Vitamin D mehr Bewegungsfunktionen zurückgewonnen wurden. Gleichzeitig ergab die durchgeführte anatomische Untersuchung eine größere Zahl von Nervenfasern, die in das Rückenmark unterhalb der Verletzung reichten, was einen Zusammenhang nahelegt. Dieses Ergebnis zeigte sich allerdings nur, wenn die Behandlung so früh wie möglich (idealerweise innerhalb 24 Stunden und nicht später als eine Woche nach Verletzung) erfolgte. Dies ist ein Zeitfenster, das klinisch relevant und für eine Therapie nutzbar wäre.

Schlussfolgerung
Viele Erwachsene haben möglicherweise einen Vitamin D Mangel, aber bei rückenmarksverletzten Patienten ist die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht und hat schwerwiegende Folgen. Um einen Mangel zu vermeiden, sollte auf genügend Sonnenlicht und eine ausreichende Vitamin D Aufnahme durch Nahrung oder Tabletten geachtet werden.

Ihr Vieri Failli

Dr. Vieri Failli ist Neurowissenschaftler und hilft die Wissenschaft besser zu verstehen.
Dr. Vieri Failli ist Neurowissenschaftler und hilft die Wissenschaft besser zu verstehen.