Blog: Backstage in der PMU


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Ich stehe im Vorraum zum GMP-Labor und beobachte eine Forscherin durch eine dicke Glasfront. Sie trägt sterile Kleidung, einen Mundschutz und bewegt sich konzentriert über ihrem Mikroskop. Das Labor ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Ein Tisch, ein Drehstuhl, wenige elektronische Geräte, mehr nicht.

Aber von vorne.
Gemeinsam mit ein paar langjährigen Wings for Life-Unterstützern bin ich in der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (PMU). Die Idee hinter der Führung: Sie sollen einen tieferen Einblick in die Materie bekommen und erfahren, was die Forscher mit ihren Spendengeldern machen.
Professor Ludwig Aigner, Leiter des Institutes für experimentelle Neuroregeneration empfängt uns.


Als erstes steht ein bisschen Theorie auf dem Plan. Was passiert genau bei einem Querschnitt? Welche Heilungsansätze gibt es? Und vor allem: Wie kommt man von der Idee zur Therapie? Cool, auch wenn ich schon lange dabei bin, erfahre ich doch immer wieder Neues.


Dann geht es in die Labors. Ludwigs Mitarbeiterin Lara untersucht, wie man Neuronen zum Wachsen bringt. Sie zeigt uns Zellen, die sie vor 24 Stunden aus dem Rückenmark entnommen und auf einen Nährboden gelegt hat. Und tatsächlich: Was gestern noch ein klitzekleiner Punkt war, ist heute schon ein gutes Stück größer. Lara erklärt uns, dass der Neurit, also der Zellfortsatz, bei dem die Reizweiterleitung stattfindet, gewachsen ist. Spannend.


Einen Raum weiter ist es ziemlich frostig. Simone vom Institut für molekulare regenerative Medizin erklärt uns warum: „Hier stehen Geräte im Wert von einigen teuren Sportwagen. Sie brauchen eine kühle Umgebung, um nicht heiß zu laufen.“ Eines dieser Lamborghinis ist das konfokale Lasermikroskop. High-Tech pur. Im Gegensatz zum normalen Lichtmikroskop kann man hiermit Gewebe optisch in hauchfeine Schichten zerlegen und diese einzeln durchscannen. Auf dem Monitor sehen wir das Rückenmark im Querschnitt. Die unzähligen Punkte zeigen die Nervenfasern „von oben“. Dicke Nervenfasern, dünne Nervenfasern, bei manchen kann ich sogar die Myelinschicht erkennen.


Unsere zweistündige Tour endet beim so genannten GMP, einem Reinraumlabor. Hier wird sichergestellt, dass Arzneimittel oder Zellprodukte alle nötigen Anforderungen erfüllen, bevor sie in der Klinik eingesetzt werden können. Alles ist hochsteril. Wer hier rein möchte, muss als erstens den Fingerabdruckscanner überwinden, eine spezielle Schutzkleidung anziehen und durch mehrere Schleusen gehen. Hat irgendwie schon alles einen bisschen was von Science Fiction.
Die Wissenschaftler ziehen sogar zwei paar Handschuhe an. Als erstes einen Orangenen und darüber einen Weißen. So kann man erkennen, ob in den Handschuhen ein Loch ist.

 

Während ich der Forscherin durch die dicke Glasscheibe zuschaue, beantwortet Prof. Aigner weiter Fragen unserer Unterstützer. Und auch für mich ist Forschung heute ein weiteres Stück greifbarer geworden.

Elisa Krimbacher arbeitet seit 2010 für Wings for Life. Sie ist zuständig für internationale Events und betreut unsere Partner und Botschafter.