© Vieri Failli

Bessere Translation durch MIASCI


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In den letzten Jahren tauchte ein grundlegendes Problem in den Neurowissenschaften auf: die sogenannte Reproduzierbarkeit von Ergebnissen. Die Reproduzierbarkeit ist eine der Hauptprinzipien in der Wissenschaft. Sie besagt, dass die Ergebnisse eines experimentellen Ansatz oder einer Studie bei der Wiederholung von anderen unabhängigen Forschergruppen bestätigt werden können. Dieser Schritt ist notwendig, um zu zeigen, dass die Effekte und Ergebnisse tatsächlich vorhanden und auch unter etwas anderen Bedingungen nachvollziehbar sind.

Ist ein Experiment nicht reproduzierbar stellt sich die grundsätzliche Frage: Welches Ergebnis ist richtig? Die Bestätigung eines Effekts ist eminent wichtig bevor man mit einem Ansatz in die klinische Erprobung geht.

In der Vergangenheit konnten einige im Experiment erfolgreiche therapeutische Ansätze nicht reproduziert und bestätigt werden und wurden deshalb nicht weiterverfolgt. Die mangelnde Reproduzierbarkeit in vielen Feldern der experimentellen Wissenschaft hat mehrere Ursachen. Eine Ursache ist eine ungenügende Genauigkeit der Beschreibung und Offenlegung des experimentellen Ansatzes bei der Veröffentlichung.

Warum ist dies so? Nun, man könnte es mit einem Bericht in einer allgemeinen Zeitung vergleichen. Die Zeitung hat für den Artikel nur Platz für 500 Zeichen. Auch wenn weitere Informationen vorhanden sind, können diese nicht in den Artikel mitaufgenommen werden. Ähnlich ist es auch bei wissenschaftlichen Publikationen. Die Ergebnisse von mehreren Jahren Arbeit können nur in einem komprimierten Umfang dargestellt werden.

Um das Problem zu lösen, schlägt ein neuer Artikel (“Minimum Information About a Spinal Cord Injury Experiment (MIASCI)”, J Neurotrauma. 2014 May) einen minimal erforderlichen Informations- und Berichtsstandard für die Veröffentlichung von Experimenten in der Rückenmarksforschung vor. In dem Artikel werden in 12 Tabellen die minimal notwendigen Informationen über die verschiedenen Elemente eines Experiments zusammengestellt. Zu diesem Leitfaden haben zahlreiche führende Wissenschaftler beigetragen, unter Ihnen Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats von Wings for Life ((Prof. Jan M. Schwab, Prof. Samuel David, Prof. Zhigang He, Prof. Michael V. Sofroniew und Prof. Stephen M. Strittmatter) sowie Wings for Life geförderte Wissenschaftler.

Einer der Mitautoren, Dr. Adam Ferguson befasst sich auch in seinem Wings for Life geförderten Projekt mit dem Problem der inzwischen zahlreichen, für den einzelnen Forscher fast unüberschaubaren Publikationen in diesem Forschungsfeld, die jedoch aufgrund der unterschiedlichen Berichtsstandards nur schwer vergleichbare Informationen geben. Bei der Erstellung einer Datenbank für alle veröffentlichten Informationen und der Identifizierung von „Syndromen“ stieß A. Ferguson genau auf das Problem eines Berichtsstandards und eines minimalen Informationsstandards, der notwendig ist um einen experimentellen Ansatz zu reproduzieren und zu verifizieren, ein wichtiger Schritt in Richtung Translation in die Klinik.

Die vorgeschlagenen Leitlinien bei der Veröffentlichung werden die Transparenz und Durchführungsqualität von Experimenten in der Rückenmarksforschung deutlich verbessern und in der Folge zu einer verbesserten Reproduzierbarkeit führen. Durch die Veröffentlichung von wertvollen Daten wird zudem dem Verlust von bereits erhobenen Daten vorgebeugt und unnötige Wiederholungen von Experimenten vermieden.