10 Dinge, ...


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... die man von einem Querschnittsgelähmten lernen kann.

Bei Wings for Life sind wir tagtäglich in Kontakt mit Menschen, die von einer traumatischen Rückenmarksverletzung betroffen sind. Auch einer unserer Kollegen ist seit 9 Jahren Tetraplegiker. Wir haben uns im Team umgehört, was jeder daraus für sein tägliches Leben mitgenommen hat.

Geduld

„Ich bin eher eine quirlige Person, vieles muss bei mir sehr schnell gehen. Die Geduld meines Kollegen bewundere ich sehr. Bei ihm kann nicht unbedingt alles in Kürze erledigt werden. Selbst triviale Dinge wie die Zähneputzen, Duschen oder Essen erfordern mehr Zeit, Aufwand und – ganz wichtig – akribische Planung.“
 
Wertschätzung

„Heute weiß ich meinen gesunden Körper viel mehr zu schätzen. Ich liebe es, in meiner Freizeit die verschiedensten Sportarten zu machen und mag mir ein Leben ohne gar nicht vorstellen. Seit ich bei der Stiftung bin, weiß ich, wie schnell sich das ändern kann.“  

Gleichbehandlung

„Früher habe ich oft gefragt, wie ich mit einem Querschnittsgelähmten umgehen kann. Wie schüttle ich einem Tetraplegiker die Hand? Kann ich mit ihm oder ihr ganz offen sprechen? Heute weiß ich: Klar, auf jeden Fall. So begrüße ich meinen Kollegen mit einem ganz normalen High-Five, oder erzähle begeistert über meine Erlebnisse vom Wochenende - genauso wie ich es bei jeder anderen Person tun würde.“

Bewusstsein

„Ich kann dort hingehen, wo ich möchte und wann ich möchte, ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Manchmal vergesse ich diese mir gegebene Freiheit. Aber immer, wenn ich jemandem im Rollstuhl sehe, wird mir wieder bewusst, wie glücklich ich mich schätzen darf.“

Verantwortung

„Ich war ein sehr aggressiver Autofahrer. Seit ich weiß, dass zirka 50 Prozent aller traumatischen Rückenmarksverletzungen aus Autounfällen resultieren, versuche ich dieses Verhalten zu ändern. Auch wenn es mir nicht immer gelingt, fahre ich heute allgemein rücksichtsvoller, zu meiner eigenen Sicherheit und der anderer.“

Demut

„Viele von uns beschweren sich tagtäglich über kleine, sehr törichte Ereignisse. Wenn man einige Zeit mit Betroffenen verbracht hat, rückt das einem die Dinge wieder ins rechte Licht und man weiß auf einmal, was wirklich wichtig und was bedeutungslos ist.“  

Dankbarkeit

„Bei unserer Weihnachtsfeier hat jedes Teammitglied erzählt, wofür es im vergangenen Jahr alles dankbar ist. Einer der anwesenden Rollifahrer hatte die längste Liste von uns allen.“

Sensibilität

„Sei es beruflich oder privat – wohin ich heute auch gehe, frage ich mich, ob dieser Ort rollstuhlgerecht und damit auch für meinen Kollegen erreichbar wäre. Man glaubt kaum, wie wenig Restaurants oder sonstige öffentliche Einrichtungen auch heute noch nicht für Rollis geeignet sind.

Vorsicht

„Querschnittslähmung passiert in Sekundenbruchteilen und oft in Situationen, in denen man dies nie für möglich gehalten hätte. Mittlerweile habe ich so viele Geschichten gehört, dass ich viel vorsichtiger im Alltag agiere. Das ist sicherlich gut auf der einen Seite, nimmt einem manchmal aber auch eine gewisse Unbeschwertheit.“

Zusammenhalt

„Mittlerweile weiß ich, meine Familie und Freunde noch viel mehr zu schätzen. Wenn man eine Rückenmarksverletzung erleidet, ist es äußerst wichtig, diesen starken Rückhalt zu haben.“